Was man noch so rausbekommt…

Beim FreeStyle Libre erhält man ja bekanntlich einen guten Überblick über den Verlauf der Blutzuckerwerte. Idealerweise befindet sich die Kurve (fast) immer im gewünschten optimalen Bereich. Bei mir liegt dieser Bereich zwischen 80 und 150 mg/dL, und wenn ich nicht gerade eine Süßigkeitenorgie feiere, klappt das meistens auch ganz gut.

Vor einigen Wochen fing aber nun diese Kurve an, ins Schlingern zu geraten, die Kurven nach den Mahlzeiten wurden größer und spitzer und fingen nach wenigen Tagen an, völlig aus dem Ruder zu laufen. Meine erste Vermutung, dass eines der Insuline nicht mehr in Ordnung war, bestätigte sich nicht, da ein Wechsel zu frischem Insulin nichts brachte. Übrigens passiert es eigentlich nur im Sommer, dass ein Insulin durch zu hohe Temperaturen vorzeitig unwirksam werden kann und ist mir bisher auch nur einmal passiert, als ich meinen Pen versehentlich mehrere Stunden im Auto liegengelassen hatte.

Die Lösung war einfach, kamm aber etwas unerwartet für mich. Meine Basalrate war zu niedrig! Bisher spritzte ich abends 18 IE Toujeo. Ich hob die Basalrate auf 21 IE an und nach zwei Tagen war meine Verlaufskurve wieder schön flach und stabil und ist es bis heute geblieben.

Nächtliche Hypos muss ich kaum befürchten, da die maximale Wirksamkeit bei „Toujeo“ erst nach ca acht Stunden einsetzt und ich gewöhnlich spät abends gegen 23:30 Uhr spritze.

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FreeStyle Libre, erste Eindrücke

Nun nutze auch ich seit einigen Monaten das FGM FreeStyle Libre und will hier mal meine Erfahrungen mit diesem System zum Besten geben.

Viele Monate lang habe ich mich mit den Kommentaren und Beiträgen zu diesem System beschäftigt und alles gelesen, was ich an Artikeln dazu finden konnte. Und das war nicht wenig.

Im April dieses Jahres hatte ich dann endlich die Chance, an einer Testgruppe teilzunehmen und ein Lesegerät nebst einem Sensor zu ergattern. Unter Aufsicht der Diab-Beraterin legte ich mir meinen ersten Sensor an und – hatte erstmal einen Wert von 76 mg/dl. Zu dieser Zeit (19:30 Uhr) sehr ungewöhnlich für mich. Normalerweise steigen meine Werte abends immer leicht an. Außerdem bekomme ich normalerweise bei diesem Wert ziemlichen Heißhunger auf Süßes. Also machte ich eine Gegenmessung mit meinem guten, alten Bayer Contour Next und erhielt einen Wert von 105 mg/dl, eine Abweichung von 29 mg/dl oder 27%. Das gibt sich noch, sagte die Diab-Beraterin, das System muss sich erst einpegeln.

Tat es aber nicht. Der Sensor maß über die gesamte Laufzeit immer zwischen 20 und 30 mg/dl weniger, als das Contour Next. Na gut, dachte ich, konstant zu wenig messen ist mir lieber, als zu hohe Werte und dann unbemerkt in eine Hypo zu rauschen. Den eigentlichen Wert dieses Systems erkannte ich sowieso nicht in den Zahlen sondern innerhalb kürzester Zeit im Verlauf der letzten Stunden. Damit kam ich einigen bislang unbemerkten nächtlichen Hypos auf die Schliche, die ich zwar immer geahnt hatte, nun aber auch deutlich sehen konnte. Das war mir vorher einfach nicht möglich gewesen, es sei denn, die hypos waren extrem (ich bin ein paarmal nachts schweißgebadet aufgewacht, und habe dann nach der obligatorischen Cola und der Wiedererlangung der Gewalt über meinen Körper einen Wert von unter 45 mg/dl gemessen,mit dem Contour Next).

Mindestens genauso wichtig war und ist für mich auch die Verlaufskurve nach dem Essen. Ich hatte früher am späten Vormittag fast immer eine leichte Hypo, die ich immer mit einer Zusatz-KE bekämpft habe. Durch das FreeStyle Libre bekam ich sehr schnell heraus, das mein morgentlicher Spritz-Ess-Abstand einfach nicht stimmte. Der lag vorher bei 10 min und der Verlauf im Lesegerät zeigte mir nun deutlich, dass in den ersten beiden Stunden nach dem Frühstück der Wert nach oben durch die Decke ging (250-350mg/dl), um nach drei Stunden  rasant nach unten zu fallen auf Werte unter 70mg/dl. Seit ich den SEA auf 30 min ausgedehnt habe, gehen die werte nur noch bis max 180 mg/dl nach oben und fallen auch kaum noch unter die 90 mg/dl-Marke. Ein zumindest für mich riesiger Fortschritt. Ich kann jetzt viel besser mit meinem Bolus arbeiten. So kann ich zum Beispiel endlich wieder problemlos Pizza essen. Ich spritze vor dem Essen nur ein Drittel der erforderlichen Dosis und warte mit den übrigen zwei Dritteln einfach, bis der Blutzucker(natürlich wird nicht der Blutzucker, sondern der Gewebezucker gemessen) ansteigt. Ich kann ja so oft messen, wie ich will. Ein weiterer wichtiger Vorteil und eigentlich ein Kostenfaktor.

Das alles bekam ich mit dem ersten Sensor raus. Der zweite Sensor war der erste von zweien, die ich bestellte und bezahlte, denn natürlich sträuben sich die KK nach Kräften. Dieser Sensor hatte die gleiche Abweichung wie der erste. Ich brachte ihn unterhalb der Stelle des ersten Sensors an. Den nächsten Sensor der gleichen Charge brachte ich am anderen Arm an, diesmal aber weiter hinten ziemlich an der Rückseite des Oberarms. Und dieser Sensor stimmte mit den Vergleichsmessungen des Contour Next fast immer sehr genau überein. Die Abweichungen lagen nun bei Null bis max 10 mg/dl, was selbst bei Messungen innerhalb des selben Systems an fast gleichen Stellen nicht selbstverständlich ist. Auch alle weiteren bisher verwendeten Sensoren sind ähnlich genau, seit ich den Sensor hinten am Arm anbringe. Vielleicht hilft das ja dem einen oder anderen weiter.

Fazit: Das FreeStyle Libre ist für mich das derzeitige System der ersten Wahl. Es ist zuverlässig, zeigt plausible Werte, die in den meisten Fällen innerhalb der gesetzlich geforderten Toleranz liegen, ist bequem zu handhaben und zeigt mir aufgrund der Verlaufslinie Fehler beim Essen oder Spritzen. Es hat für mich deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Der hohe Preis relativiert sich rasch, wenn man bedenkt, dass ich mit dem FreeStyle im Durchschnitt 28 Messungen täglich durchführe. Mit den herkömlichen Teststreifen würde diese Häufigkeit meine KK monatlich 370€ kosten. Von den Folgekosten wegen zu hoher BZ-Werte und deren Spätfolgen will ich gar nicht erst anfangen.

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Die Einstellung

Dank meiner hervorragenden Diabetesassistentin hatte ich das Glück, bereits eine Woche nach Diagnosestellung in das Diabeteszentrum Bad Lauterberg eingewiesen zu werden, was ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinnahm. Dort sollte ich innerhalb von zwei Wochen eingestellt und im Umgang mit meinem neuen Feind geschult werden.

Ich hatte mich ja schon vom ersten Tag an im Internet um alle möglichen Informationen bemüht, soweit meine Augen noch mitspielten. Aber vieles, was ich fand verstand ich nicht oder widersprach sich auch. Widersprüche scheinen bei dieser Krankheit übrigens normal zu sein.

Was soll ich sagen, die Klinik war mir vom ersten Tag an symphatisch, sie hat nicht den üblichen Krankenhausgeruch und verfügt über Ein- und Zweibettzimmer mit WC/Dusche, TV, Telefon und sogar Balkon.

Die Aufnahme war freundlich und die Erstuntersuchung sehr gründlich und gut. Auch die Einweisung in die Örtlichkeiten und Termine der Klinik erfolgte sehr gut. Also ließ ich mich bereitwillig auf die intensive Behandlung ein. Schließlich wollte ich ja auch pünktlich wieder aus der Klinik entlassen werden.

Leute, ich kann jedem Neudiabetiker nur dringendst eine solche Behandlung empfehlen!

Ich wurde in dreizehn Tagen sehr gut eingestellt und lernte in vielen Unterrichtsstunden unzählige Tricks und Fallen des Diabetes kennen. Und ich begriff sehr schnell, dass man mit Diabetes sehr gut zurecht kommen kann, wenn man sich an einige Regeln hält (der Körper muss allerdings auch mitspielen). So lernte ich z.B. bereits am ersten Tag den prägenden Satz:“Essen Sie, wir stellen Sie ein“. Damit lernte ich, dass nicht die Kohlenhydrate das Problem sind, sondern das richtige Zusammenspiel zwischen Kohlenhydraten und Insulin. Auch wie unterschiedlich verschiedene Kohlenhydrate und im Zusammenhang mit Fetten und Eiweißen wirken, erfuhr ich hier zum ersten Mal. Jetzt wusste ich auch, warum mein erster Pizza-Versuch so kläglich scheiterte. Ich verließ die Klinik mit einem guten Blutzuckerwert, viel mehr Wissen und dem guten Gefühl, mein weiteres Leben meistern zu können. Und das ist sehr viel für einen Menschen, für den drei Wochen vorher die Welt zusammengebrochen war.

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Die erste Spritze

Da saß ich nun allein zu Hause und sollte mich zum ersten Mal selbst spritzen. Ich – der ich nicht mal bei einer Spritze zusehen kann – soll mir selbst eine Injektion geben und das auch noch in den Bauch! Das hatte ich mein ganzes bisheriges Leben lang erfolgreich vermieden.

Immerhin, meine Diabetesberaterin hatte mich mit Pen-Nadeln verschiedener Größen ausgestattet, wenn auch nur in Form von Probepackungen. Laut ihrer Aussage sollte ich aber eh die 8mm-Nadeln verwenden, was ich auch tat.

Da saß ich also nun möglichst bequem auf meinem Stuhl vor dem PC und bereitete zum ersten Mal in meinem Leben den Pen auf die Injektion vor. Nadel auf den Pen schrauben, Schutzkappen ab, eine Einheit abspritzen, Einheiten einstellen und………     ja, welche Stelle meines schönen Bauches soll ich denn nun als erstes malträtieren? Als Linkshänder entschied ich mich für die linke Seite an der Stelle, wo ich das meiste Fett vermutete.

Und dann setzte ich die Nadel unendlich langsam auf die Bauchdecke. Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand eine vorschriftsmäßige Hautfalte bildend, versenkte ich die Nadel im Schneckentempo in der Bauchdecke. Der Schmerz der eindringenden Nadel war – nicht vorhanden, es tat einfach nicht weh! Der ganze Stress umsonst, für dieses Mal. Das war die Injektion der Bolusrate für das Abendessen. Ein paar Stunden später sollte ich dann die Basalrate in den Oberschenkel spritzen. davor hatte ich keine Angst.

Ich wurde eines Besseren belehrt. Mangels Fettschicht im Oberschenkel traf ich gleich beim ersten Versuch den Muskel und lernte sehr schnell, dass eine 8mm-Nadel für meine dünne Oberschenkelhaut zu lang ist, wenn ich nicht peinlich auf die ausreichende Hautfalte achte.

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458 mg/dL

458 mg/dL – das war der erste Befund, nachdem ich nach wochenlanger Kränkelei endlich mal zu einem Arzt ging, weil meine Erkältung einfach nicht weichen wollte.

Eine Erkältung – die dauerte bei mir immer nur wenige Tage, höchstens drei oder vier! Aber diesmal ging es mir schon seit drei Wochen beschissen und es wurde einfach nicht besser. Also ging ich nun doch mal zu einem Arzt und erzählte ihm von meinem Leid. Wie er auf die Idee mit der Blutzuckermessung kam, weiß ich nicht, aber der Erfolg gab ihm Recht.

Und so rief er mich einen Tag später an und forderte mich auf, mich schleunigst mit einem Diabetesspezialisten in Verbindung zu setzen, was ich nach ein paar Tagen deprimierten Herumlaufens auch tat.

Am 19. März 2013 hatte ich den Termin in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis und hier erhielt ich mit der vernichtenden Diagnose „Diabetes Typ 1“ zwei Insulinpens nebst Insulin, ein Blutzuckermessgerät und eine eilige Einweisung in die Bedienung derselben. Viel Zeit hatte man mit mir nicht und so stand ich kurze Zeit später allein mit meinem neuen Feind  und meinen Gedanken und Ängsten auf der Straße.

Zur Einweisung gehörte auch ein kleiner Kurs in Ernährungskunde, der mir so ziemlich alles verbot, was schmeckt, was meine Stimmung nicht unbedingt verbesserte. Und so fuhr ich geknickt und völlig alleingelassen abends nach der Arbeit nach Hause und setzte mir meine erste Spritze. Doch dazu später mehr.

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